0929 | KI im Alltag und im Code: Neue Tools im Kurzcheck

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Diese Folge blickt auf eine Vielzahl neuer KI-Tools und Mac-Apps: vom Echtzeit-Coaching im Telefonat über Coding-Agenten mit Router- und Governance-Schichten bis hin zu kleinen Helfern für Desktop, Browser und Alltag – mit Preisen, Angeboten und einem Blick, was als Nächstes kommen könnte.

Zeitleiste

  • 00:00:04 Einleitung
  • 00:01:04 Echtzeit-KI im Gespräch und im Job
  • 00:04:54 Bildschirm-Assistenten: sehen, klicken, automatisieren
  • 00:07:33 Coding-Agenten steuern: Routing, Regeln, Modelle
  • 00:11:19 Aufsicht und Leichtgewichte für Agenten und Markdown
  • 00:13:12 Mac-Helfer: Aufräumen, Steuern, Beobachten
  • 00:16:08 Aufnahme, Lesezeichen, Screenshots – gratis drauf
  • 00:18:37 Text, Zahlen, Gedanken – Feinschliff und Blick nach außen
  • 00:22:07 Abschluss

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Transcript

Lena Vogel: Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge! Hier ist Lena.

Felix Hartmann: Und hier ist Felix. Schön, dass du wieder dabei bist. Was dich heute erwartet, ist so ein bisschen eine Reise durch die letzten 24 Stunden an Produktstarts – und das Verbindende ist eigentlich ziemlich klar: In allen diesen Tools steckt auf die eine oder andere Weise ein Assistent. Mal sitzt der im Gespräch, mal auf dem Bildschirm, mal hinter dem Code, mal im Schreibtisch-Layout eines Macs.

Lena Vogel: Und wir wollen dabei ehrlich bleiben. Wir haben nur das, was die Macher selbst sagen – das sind Behauptungen, keine verifizierten Zahlen. Wir sortieren für euch raus, welche Produkte ein wirklich klares Nutzerproblem lösen, was sie konkret können, was sie kosten oder wie man sie bekommt, und wo die offenen Fragen bleiben.

Felix Hartmann: Genau. Und wir schauen uns lieber ein paar Produkte richtig an statt zwanzig im Vorbeiflug. Wo es sich lohnt, vergleichen wir sie direkt miteinander. Loslegen tun wir da, wo die KI am unmittelbarsten im Job ankommt: im Gespräch selbst.

Lena Vogel: Fangen wir mit Sayble an. Das ist ein KI-Copilot für Anrufe, und zwar in Echtzeit. Während du telefonierst, schlägt dir Sayble die nächste Gesprächszeile vor – angeblich innerhalb von etwa einer halben Sekunde. Und wenn das Gespräch vorbei ist, schreibt es automatisch ein Resümee und eine Follow-up-Mail.

Felix Hartmann: Wer ist das eigentlich für? Ich denke da an Leute, die den ganzen Tag telefonieren – Vertrieb, Support, Beratung. Für die ist der Moment, in dem man mal kurz nicht weiß, was man sagen soll, ein echtes Problem. Wenn die Lösung wirklich in einer halben Sekunde ploppt, bevor der andere die Stille unangenehm findet, dann verändert das die Gesprächsführung grundlegend. Du bist quasi nie allein im Gespräch.

Lena Vogel: Und der zweite Teil ist fast genauso wichtig: Nachbereitung. Das ist der Teil, den alle hassen. Wenn das Tool aus dem Anruf direkt ein Resümee und eine Follow-up-Mail baut, spart das pro Gespräch richtig Zeit. Jetzt ist natürlich die Frage: Wie gut sind diese Vorschläge unter Druck? Wenn ich in einem heiklen Kundengespräch stehe und das Tool mir eine Zeile vorschlägt – ist die dann klug, oder ist die generisch? Das können wir von außen nicht prüfen, das ist eine offene Frage.

Lena Vogel: Die halbe Sekunde ist eine Angabe des Herstellers.

Felix Hartmann: Und genau dasselbe Muster – KI, die in den Arbeitsfluss statt neben ihn gesetzt wird – sieht man im Kundenkontakt noch viel breiter. Da gibt es SaleSmartly. Das ist eine Omnichannel-Inbox: WhatsApp, Instagram, TikTok, LINE und weitere Kanäle laufen in einem Posteingang zusammen. Dazu gibt es ein CRM, KI-Agenten, die rund um die Uhr antworten, und Übersetzung in Echtzeit.

Lena Vogel: Das löst ein Problem, das jeder kennt, der mal in einem kleinen Team Kundennachrichten verwaltet hat: Die Fragen kommen überall an. Eine auf WhatsApp, eine im Instagram-Kommentar, eine auf TikTok, und niemand hat den Überblick. Ein gemeinsamer Posteingang mit CRM ist dafür die klassische Antwort – neu ist daran die Idee nicht, aber die Verbindung mit 24/7-Agenten und Live-Übersetzung schon.

Lena Vogel: Die Übersetzung ist übrigens ein unterschätztes Detail: Ein kleines Unternehmen kann damit Kunden in Sprachen bedienen, die niemand im Team spricht.

Felix Hartmann: SaleSmartly wirbt mit über 300.000 Unternehmen als Kunden. Auch das ist eine Herstellerangabe, aber immerhin eine Größenordnung, die zeigt, dass es kein Nischen-Experiment ist. Interessant ist der Vergleich mit Sayble: Sayble unterstützt einen Menschen live im Einzelgespräch, SaleSmartly lässt Agenten teilweise selbst antworten. Das ist ein richtiger Unterschied – bei Sayble bleibt der Mensch im Steuer, bei SaleSmartly übernehmen KI-Agenten einen Teil der Konversation komplett.

Lena Vogel: Und dann gibt es noch die dritte Variante, das Schwergewicht gewissermaßen: Microsoft Copilot. Das sitzt direkt in Word, Excel, Outlook und Teams – also da, wo Leute ohnehin arbeiten. Microsoft nennt das Ganze AI für Arbeit, dazu gibt es eine Sache namens Work IQ und einen Agent Builder, und sie setzen auf führende Modelle. Die Pläne starten bei 9,99 Dollar pro Monat.

Felix Hartmann: Das ist genau die Stoßrichtung: kein separates Tool, sondern die Assistenz direkt im Dokument, in der Tabelle, im Posteingang. Der Agent Builder ist spannend, weil du damit vermutlich eigene Arbeitsabläufe bauen kannst, ohne zu programmieren. Was wir aber auch hier nicht wissen: Wie gut funktioniert das im konkreten Arbeitsalltag?

Felix Hartmann: Der Preis von 9,99 Dollar ist die Einstiegsstufe, für vollen Funktionsumfang braucht es meist teurere Pläne – und wie gut die Vorschläge wirklich sind, das entscheidet sich erst im echten Job.

Lena Vogel: Wenn man die drei nebeneinander legt, sieht man einen Trend: Die KI rückt vom Werkzeug, das man aufruft, in den Arbeitsfluss hinein. Sie ist einfach da, während man arbeitet. Und es gibt noch eine Stelle, an der die Assistenz-Idee auftaucht – nicht im Gespräch, sondern auf dem Bildschirm. Da schauen wir jetzt hin.

Felix Hartmann: Genau. Das erste davon heißt Arc. Arc ist ein kostenloser Assistent, der sich über jeden Bildschirm legt – auf Android und auf dem Mac. Er kann das, was gerade auf dem Bildschirm ist, zusammenfassen, vorlesen, umschreiben und Dinge automatisieren. Und zwar ohne dass du Text kopieren und einfügen musst.

Lena Vogel: Das Kopieren und Einfügen ist der Punkt. Der klassische Ablauf war: Text markieren, in ein KI-Fenster einfügen, Aufgabe stellen, Ergebnis zurückkopieren. Arc eliminiert diesen Umweg, weil der Assistent sieht, was gerade auf dem Bildschirm steht. Das ist ein echter Komfortgewinn, und der Preis – kostenlos – macht den Einstieg einfach. Offen ist: Wie kommt das Tool an die Bildschirminhalte, und was passiert datenschutztechnisch damit? Das muss man als Nutzer prüfen.

Felix Hartmann: Und dann gibt es noch Pip – und der geht einen Schritt weiter. Pip ist ein KI-Begleiter für den Mac, der deinen Bildschirm sieht und dir den exakten Klickpunkt zeigt. Nicht "öffne das Menü da oben", sondern: da, klick genau da. Es gibt 30 Fragen pro Monat gratis, die Pro-Version kostet 15 Dollar, Max schlägt mit 69,99 Dollar zu Buche.

Lena Vogel: Das ist ein ganz anderer Assistenz-Typ. Sayble sagt dir, was du sagen sollst. Arc sagt dir, was auf dem Bildschirm los ist. Aber Pip zeigt dir physisch, wo du hinklicken sollst. Das richtet sich an Leute, die mit Software überfordert sind – und da ist ehrlich gesagt ein riesiges Publikum. Der Stufenpreis ist auch durchdacht: 30 Fragen im Monat reichen für gelegentliche Hilfe, 15 Dollar für regelmäßige, und die Max-Stufe von 69,99 Dollar dürfte für Leute sein, die das täglich im Einsatz haben.

Felix Hartmann: Was beiden gemeinsam ist: Der Assistent sieht statt nur zu chatten. Das ist der qualitative Sprung. Und genau dieselbe Sichtbarkeit-Idee – Agenten bekommen Kontext und dürfen agieren – gibt es auch im Datenbereich, bei Databox. Die haben MCP-Connectors eingeführt, mit denen ihr KI-Analyst namens Genie sich mit CRM, Slack und weiteren Quellen verbindet. Genie bekommt dadurch Kontext und darf sogar Aktionen ausführen – geregelt über Berechtigungen pro Tool.

Lena Vogel: Das ist die Pendant-Version für Datenanalyse: Der Analyst muss nicht nur antworten können, er muss wissen, was in CRM und Slack gerade läuft, und er muss auch mal selbst was tun können. Und die Berechtigungen pro Werkzeug sind der wichtige Sicherheitsmechanismus – nicht jeder Agent darf überall alles. Auch hier gilt: Agenten brauchen, was sie sehen und was sie dürfen, klar definiert. Und das leitet direkt über zum nächsten großen Thema, wo genau das zum Kernproblem wird: Coding-Agenten.

Felix Hartmann: Denn Coding-Agenten sind inzwischen Realität, aber wer sie nutzt, hat drei Probleme: Welches Modell soll der Agent benutzen, was darf er überhaupt tun, und wie behalte ich die Kosten im Blick? Für das erste Problem gibt es Zerg Router. Das ist ein OpenAI-kompatibler Endpunkt für Coding-Agenten – dein Agent redet mit einem einzigen Endpunkt, und dahinter laufen verschiedene Modelle.

Lena Vogel: Das Clevere daran sind zwei Dinge. Erstens: Tagesbudgets pro API-Key. Du kannst also sagen, dieser Key darf heute maximal X ausgeben. Zweitens: explizite Fallbacks – wenn ein Modell ausfällt oder das Budget aufgebraucht ist, geht es automatisch zum nächsten. Zum Testen gibt es 14 Tage DeepSeek. Das richtet sich klar an Entwickler und Teams, die mehrere Agenten laufen lassen und nicht bei jedem Ausfall händisch umbiegen wollen.

Felix Hartmann: Und dann gibt es noch eine zweite Routing-Station mit einem noch etwas anderen Ansatz: Harness Router. Der ist eine Entscheidungsschicht, die die Werkzeugaufrufe von Agenten lenkt. Die Angabe aus der Beschreibung: etwa 9,5-mal schneller und rund 294-mal günstiger – und das Ganze mit etwas namens Jev, open source dazu.

Lena Vogel: Bei der Zahl 294-mal günstiger möchte ich ausdrücklich sagen: Das ist die Herstellerangabe. Ob das in der Praxis so eintritt, hängt massiv vom Arbeits last-Profil ab – wir kennen die Messbedingungen nicht. Das ist die große offene Frage in diesem ganzen Bereich: reale Einsparungen unter echten Bedingungen. Was man aber festhalten kann: Die Richtung stimmt. Routing ist ein echtes Problem, weil Agenten Dutzende Werkzeugaufrufe machen und jedes einzeln Kosten und Latenz erzeugt.

Lena Vogel: Wenn eine Schicht darüber klüger entscheidet, ist das strukturell sinnvoll – und open source heißt, man kann es selbst prüfen.

Felix Hartmann: Das dritte Problem ist dann nicht mehr "welches Modell", sondern "was darf der Agent". Dafür gibt es VibeDefend von CybeDefend. Das setzt Regeln für Business und Sicherheit an, während der Code geschrieben wird – also nicht nachträglich beim Review, sondern in Echtzeit im Schreibprozess. Die angegebene Verbesserung: Compliance steigt von 88 auf 89 Prozent. Kostenlos ist das Tool.

Lena Vogel: Diese Zahl ist ehrlich gesagt bemerkenswert – auf zwei Arten. Bemerkenswert hoch ist das Niveau von 88 Prozent, wenn man es als Ausgangslage nimmt. Und bemerkenswert bescheiden ist die Steigerung auf 89 Prozent, was eher glaubwürdig klingt als die üblichen Riesenversprechen. Trotzdem: Was genau gemessen wurde, bei wem, in welchen Szenarien – unbekannt. Der konzeptionelle Punkt ist aber stark: Regeln statt Reaktionen.

Lena Vogel: Statt den Code zu schreiben und dann die Sicherheit zu prüfen, wird beim Schreiben eingegriffen. Und gratis heißt, der Einstieg kostet nichts.

Felix Hartmann: Und dann gibt es noch GenCode von Genspark, das das Ganze aus einer anderen Richtung angreift. GenCode ist ein Coding-Agent mit zwei Oberflächen – einer Chat-UI und einer Terminal-UI – und dahinter kannst du zwischen Claude, GPT, Gemini, DeepSeek und weiteren wählen. Das Besondere: Die Gewichte sind offen, und die Kosten liegen bei einem Zehntel.

Lena Vogel: Das ist eine dreifache Antwort auf genau unsere drei Fragen: Welches Modell – du wählst selbst. Welche Oberfläche – Chat für Erklärung, Terminal für Arbeit. Und was kostet es – angeblich ein Zehntel, dank offener Gewichte. Auch hier gilt: "Offene Gewichte" sagt nicht automatisch, wie gut die Modelle abschneiden, und "ein Zehntel" ist die Herstellerrechnung. Aber die Optionen werden offensichtlich vielfältiger und günstiger.

Lena Vogel: Wenn man die vier nebeneinander legt – Zerg für Budgets und Fallbacks, Harness für Routing-Geschwindigkeit, VibeDefend für Regeln, GenCode als Komplettangebot mit Modellwahl – sieht man: Der Markt für die Steuerung von Coding-Agenten ist ein eigener Markt geworden. Der Agent allein reicht nicht mehr.

Felix Hartmann: Genau. Und was fehlt, wenn man Agenten laufen lässt? Aufsicht. Das führt uns zum nächsten Thema, das sich direkt anschließt. Da gibt es Vantage – und das ist sogar gratis und open source. Ein Monitor für Coding-Agenten, der Live-Kosten zeigt, Freigaben für Dateien und Befehle verlangt und Alarm schlägt, wenn Secrets geleakt werden – also wenn Zugangsdaten oder Schlüssel im Code landen.

Lena Vogel: Das sind drei Funktionen, die zusammen genau die Kontrolleurerolle füllen. Live-Kosten, damit das Budget nicht heimlich davonläuft. Freigaben, damit der Agent nicht ungefragt Dateien ändert oder Befehle ausführt. Und der Secret-Alarm ist fast das Wichtigste – ein geleakter API-Schlüssel ist teurer als jeder Rechen-Kostenüberlauf. Dass das gratis und open source ist, senkt die Hürde enorm. Offene Frage: Wie breit wird so ein Tool eigentlich adaptiert?

Lena Vogel: Monitoring ist immer das, was alle für nötig halten und keiner zuerst einrichtet.

Felix Hartmann: Im selben Thema – leichtgewichtige Infrastruktur – gibt es noch MuM. Das ist ein Markdown-Leser für macOS, komplett nativ geschrieben mit AppKit, ohne Web-Engine. Startet in etwa 0,3 Sekunden, ist nur 1,7 Megabyte groß, beherrscht mehrere Projekte, steht unter MIT-Lizenz, und Agenten können es über die Kommandozeile ansteuern.

Lena Vogel: Diese Zahlen haben etwas Erfrischendes. 1,7 Megabyte und 0,3 Sekunden – in einer Zeit, in der selbst simple Tools als Electron-Apps mehrere hundert Megabyte fressen und sekundenlang laden. Dass MuM keine Web-Engine mitschleppt, ist der Grund dafür. Das MIT-Format heißt frei nutzbar, und der CLI-Zugang ist der moderne Twist: Deine Coding-Agenten können Markdown-Dateien darüber lesen, während du sie selbst liest.

Lena Vogel: Beide Tools zusammen – Vantage und MuM – zeigen einen Gegen-Trend: leicht, transparent, ohne Ballast.

Felix Hartmann: Und von Agenten zurück zu Menschen: Vom Code-Server des Entwicklers zum Schreibtisch des Normalnutzers. Mac-Helfer. Da gibt es einen, der mir fast schon sympathisch vorkommt, obwohl er nur ein Blob ist: Mochi. Ein rosa Mac-Maskottchen, das verstreute Dateien auf deinem Desktop in Ordner sortiert. Und wichtig: Es löscht nie, und alle Verschiebungen sind rückgängig machbar.

Lena Vogel: Diese zwei Garantien sind der Grund, warum ich das ernst nehmen würde. Aufräum-Tools scheitern normalerweise an einem einzigen Vorfall, wo etwas verschwunden ist. "Löscht nie" und "rückgängig machbar" nimmt genau diese Angst weg. Das Problem ist real – der chaotische Desktop ist ein Universalerlebnis. Die Pro-Version kostet 5 Dollar und bringt ein simuliertes Leben für die Mascotte mit. Das ist eher Charme als Funktion, aber manchmal ist Charme genau das, was ein Tool benutztbar macht.

Felix Hartmann: Und dann gibt es Stash – ein völlig anderer Ansatz, den Mac zu erweitern. Stash versteckt Bedienelemente in den Rändern des Bildschirms: Slider an der Kante, Dials in der Ecke, einen versteckten Dock-Schalter. Und dann gibt es noch Stash Deck, das dein iPhone zur Touch-Fernbedienung für den Mac macht.

Lena Vogel: Das ist im Grunde eine Erweiterung der Bildschirmgeometrie. Du nutzt die toten Zonen – Ränder und Ecken – für schnelle Regler und Schalter. Und die iPhone-Fernbedienung ist clever, weil das Telefon immer in Reichweite liegt. Wer braucht sowas? Vermutlich Power-User, die ständig bestimmte Einstellungen umschalten. Die offene Frage, die ich bei beiden habe – Mochi wie Stash – ist die Langzeitnutzung.

Lena Vogel: Sind das Werkzeuge, die du in drei Jahren noch benutzt, oder Spielereien, die nach zwei Wochen in der Ecke landen? Das kann man beim Kauf kaum beantworten.

Felix Hartmann: Und der vierte in dieser Runde, den wir noch nicht hatten, ist Vitals. Das ist ein Aktivitätsmonitor für den Mac – aber mit einem Unterschied, der wichtig ist: Er überwacht pro App, nicht pro Prozess.

Lena Vogel: Das klingt klein, ist es aber nicht. Der klassische Aktivitätsmonitor zeigt dir Dutzende Prozesse mit kryptischen Namen, und keiner weiß, welcher davon zu welcher App gehört. Vitals aggregiert auf App-Ebene – das heißt, du siehst, wie viel diese eine App insgesamt frisst. Dazu gibt es 30 Tage Historie, also kannst du zurückblicken statt nur den Moment sehen, Alerts, und eine Funktion, die ich sehr konkret finde: die Entdeckung von vergessenen Dev-Servern.

Felix Hartmann: Diese Dev-Server-Geschichte ist fast schon witzig und ernst zugleich. Jeder Entwickler startet mal einen lokalen Server und vergisst ihn. Der läuft dann tagelang im Hintergrund, verbraucht Ressourcen, öffnet eventuell einen Port. Dass ein Monitor gezielt danach sucht, ist ein echtes Problem gelöst. Vitals kostet 5 Dollar – allerdings nur für die ersten 1.000 Lizenzen, danach vermutlich teurer. Wer interesse ist, sollte also zeitnah schauen.

Felix Hartmann: Insgesamt machen diese vier – Mochi, Pip, Stash und Vitals – den Mac persönlicher und übersichtlicher, jeder auf seine Weise.

Lena Vogel: Und vom Desktop gehen wir jetzt in den Browser und ins Web – zur Aufnahme, zu Lesezeichen und Screenshots. Das verbindet übrigens ein gemeinsames Thema: kostenlose Einstiege und Datenschutz vor Ort.

Felix Hartmann: Das erste ist Dina in Version 4.5. Das vereint Screenrecording, Screenshots und 3D-Bewegung in einem einzigen Workflow. Normalerweise brauchst du dafür drei verschiedene Tools. Dina will alles in einem Fluss. Es gibt 7 Tage gratis, ohne Kreditkarte, und mit dem Code DINAPH gibt es 10 Prozent Rabatt.

Lena Vogel: Der Punkt "3D-Bewegung in Screenrecordings" ist das, was da wirklich neu klingt – man kennt das von Produkt-Demos, wo die Kamera durch eine Oberfläche fliegt. Wenn man das ohne einen separaten Workflow machen kann, ist das für Leute, die regelmäßig Demo-Videos oder Erklärvideos bauen, ein echter Zeitgewinn. Die Gratis-Probe ohne Kreditkarte ist die Art von Einstieg, die man sich wünscht.

Felix Hartmann: Beim zweiten geht es um Lesezeichen. FaveNest ist eine visuelle Bibliothek für Bookmarks, und die Besonderheit ist Apple Intelligence. Die generiert Titel, Zusammenfassungen und Tags – und zwar komplett auf dem Gerät. Es braucht kein Konto, die Synchronisation läuft über dein eigenes iCloud.

Lena Vogel: Das ist ein sehr sauberes Datenschutz-Modell. Der Anbieter sieht offenbar gar nichts: Die KI läuft lokal, die Daten liegen in deinem iCloud-Account, kein Konto beim Anbieter. Visuell heißt außerdem: Du siehst deine Bookmarks als Bilder, nicht als Liste. Für Leute mit hunderten Lesezeichen, die nie wiederfinden, ist das eine echte Hilfe. Ob das Modell so bleibt, ist wie bei den anderen eine offene Frage – aber die Architektur ist bewährt.

Felix Hartmann: Und dann Shotcandy – kostenlos, im Browser, für Screenshots. Du kannst Rahmen drumherum setzen, Pfeile zeichnen, Dinge verwischen, und es unterstützt Video bis 4K. Open Source unter MIT-Lizenz, keine Registrierung nötig, und – das ist fast schon bemerkenswert heutzutage – kein Wasserzeichen.

Lena Vogel: Kein Wasserzeichen! Das ist heutzutage fast die eigentliche Nachricht, weil gefühlt jedes Gratis-Screenshot-Tool sein Logo in die Ecke drückt. Das hier ist also wirklich frei: open source, keine Registrierung, kein Branding in deinem Bild. Für Leute, die Screenshots für Docs, Social Media oder interne Anleitungen brauchen, ist das ein praktisches Werkzeug, das man ohne Reibung testen kann.

Lena Vogel: Ob das Gratis-Modell auf Dauer so bleibt, ist die generelle offene Frage in dieser Runde – aber aktuell kostet es nichts.

Felix Hartmann: Und zum Abschluss schauen wir noch auf Text, Zahlen und Gedanken – von Feinschliff über Messung bis zur privaten Reflexion. Das erste dort ist Lattice, und die Idee ist ungewöhnlich: Der Text wird durch mehrere Sprachen hindurchgeschrieben, um natürlich zu klingen und KI-Spuren zu eliminieren. Dabei bleiben Namen, Zahlen und Fachbegriffe erhalten.

Lena Vogel: Die Logik dahinter ist faszinierend: Wenn ein Text mehrfach übersetzt wird, verschwinden die typischen Muster, an denen man KI-Text erkennt – die glatten Formulierungen, die immer gleichen Übergänge. Gleichzeitig klingt der Text nach echtem, mehrfach übersetztem Schreiben, was oft surprisingly natürlich wirkt. Die Garantie, dass Namen, Zahlen und Begriffe unverändert bleiben, ist die entscheidende Voraussetzung – sonst wäre das für faktische Texte unbrauchbar.

Lena Vogel: Die offene Frage ist fast philosophisch: Wie nachhaltig wirkt so ein KI-freier Text eigentlich, wenn die Erkennungswerkzeuge sich weiterentwickeln? Das ist ein Wettlauf.

Felix Hartmann: Von Feinschliff zur Messung: Statable Analytics ist Web-Analytik, cookieless, in der EU gehostet, und – das ist der modern Twist – es hat MCP. Deine KI-Agenten können also die Reports lesen oder sogar konfigurieren. Und es ist gratis für .edu-Domains und GitHub Pages.

Lena Vogel: Cookieless heißt ohne die Consent-Banner-Problematik und ohne Tracking von Personen über Websites hinweg, und EU-Hosting adressiert die Datenschutzthematik direkt. Das ist für europäische Websites eine interessante Kombination. Aber der wirklich zukunftweisende Teil ist das MCP: Statt dass ein Mensch in das Dashboard schaut, kann ein KI-Agent die Zahlen direkt abfragen oder sogar Berichte einrichten. Das ist wieder das Muster vom Anfang – die KI bekommt Kontext und darf agieren.

Lena Vogel: Der Gratis-Tarif für .edu und GitHub Pages zielt auf Bildung und kleine Projekte, und dafür ist das eine faire Einstiegsbedingung.

Felix Hartmann: Und dann, zum Schluss, das minimalistischste Tool der ganzen Folge: Ryu Journal. Ein Tagebuch für iOS. Die Philosophie heißt "schreiben und loslassen" – kein Konto, keine Feeds, alles bleibt lokal auf dem Gerät, kein Tracking, keine gesammelten Daten.

Lena Vogel: In einer Welt, in der sogar Notiz-Apps Accounts und Cloud-Sync und Social Features haben, ist ein Tagebuch ohne Feed und ohne Cloud fast schon eine Gegenposition. Das ist bewusst so – Tagebücher sind privat, und es ist sinnvoll, dass sie das auch technisch bleiben. Das löst ein Problem, das viele haben: Sie wollen reflektieren, aber sie wollen nicht, dass ein Anbieter das mitliest oder sozial bewertet.

Felix Hartmann: Und der letzte in dieser Runde schaut dann nach außen: Okara. Das nennt sich selbst "AI CMO" – also quasi ein künstlicher Chief Marketing Officer. Es prüft deine Website und setzt dann über 10 Agenten ein, für SEO, AI-Suche, Reddit, X, LinkedIn und Creator. Die Angabe: genutzt von über 100.000 Unternehmen.

Lena Vogel: Die Idee ist konsequent: Marketing-Management besteht aus vielen parallelen Kanälen, und genau dafür sind Agenten gemacht. Statt einen Menschen für jeden Kanal zu bezahlen, hat man einen Übersichts-Agenten und darunter Spezialisten. Die Zahl der 100.000 Unternehmen ist wieder eine Herstellerangabe, aber eine, die zeigt, dass das nicht ein Studienprojekt ist.

Lena Vogel: Der Vergleich mit SaleSmartly vom Anfang ist übrigens aufschlussreich: SaleSmartly ist KI im Kundenkontakt, Okara ist KI im Kunden-Acquisition. Zwei Seiten derselben Medaille.

Felix Hartmann: Und damit schließt sich der Bogen der ganzen Folge. Vom Assistenten im Anruf über Agenten auf dem Bildschirm und hinter dem Code bis zur Maskotte auf dem Desktop und dem stillen Tagebuch im Kopf. Der rote Faden war durchgehend: Werkzeuge, die in den Fluss dessen eingreifen, was du gerade tust – mal unterstützend, mal überwachend, mal aufräumend.

Lena Vogel: Und unser Appell an euch bleibt der gleiche wie immer: Alle Zahlen und Aussagen, die wir zitiert haben, sind Angaben der Hersteller. Wenn ein Tool euch interessiert, probiert es selbst aus – die meisten dieser Produkte haben kostenlose Einstiege, genau deshalb haben wir sie so ausgewählt.

Felix Hartmann: Danke, dass du dabei warst. Bis zur nächsten Folge!

Lena Vogel: Tschüss, und bis bald!